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Christian FeldmannIn seinem ersten Jahr als Coach des ASV HammWestfalen II hat Christian Feldmann mit der Mannschaft gleich alle Erwartungen übertroffen. Auf Platz drei beendete das Team die Saison – und das, nachdem zuvor ein großer Umbruch vollzogen werden musste.Noch ein Termin in Sachen Handball? Christian Feldmann zieht hörbar die Luft ein, ehe er zusagt. Eigentlich braucht der Coach des ASV-Oberligateams nach einer intensiven Saison dringend Urlaub. Gerade hat er sich mit Zweitliga-Trainer Kay Rothenpieler zur Abschlussbesprechung einer Serie getroffen, die sehr ordentlich gelaufen ist. „Ich würde es anders formulieren“, interveniert Feldmann. „Das war eine super Saison. Wir haben eine Menge Leute in der Handball-Landschaft überrascht. Zumal es ja einen Umbruch gegeben hat.

Mit Kim Voss-Fels, Vincent Saalmann und Dennis Richter sind wichtige Spieler gegangen, dann in der Vorbereitung David Wiencek, wo viele geunkt haben, der wird uns fehlen als Dreh- und Angelpunkt.“ Es kam anders. Der ASV II spielte lange um den Aufstieg mit, wurde am Ende Tabellendritter – auch ohne Wiencek. „Auf der einen Seite hat uns der Verlust gestärkt, weil wir homogener geworden sind“, wägt Feldmann ab. „Michel Sorg hat auf Rückraum Mitte die nötigen Schritte in seiner Entwicklung gemacht und eine tolle Saison gespielt hat. Auf der anderen Seite haben wir einen Substanzverlust gesehen, weil uns eine Planstelle fehlte. Zumal dann auch noch David Spiekermann für die komplette Rückrunde ausgefallen ist.“ In vielerlei Hinsicht war das erste Jahr in Hamm für Feldmann ein Schritt ins Ungewisse. Der 32-Jährige hatte im Sommer den Verbandsligisten OSC Dortmund verlassen – einen Klub, dessen Spielstätte er bequem per Fahrrad erreicht hatte –, um in der höheren Klasse als junger Coach den nächsten Schritt zu wagen. Enttäuscht wurde er nicht. „Die Arbeit war so möglich, wie ich mir das vorgestellt habe, sowohl von den Rahmenbedingungen im Training als auch in der Verzahnung mit dem Zweitligateam“, sagt er. „Wir hatten eine eigene Athletikgruppe, die von Thomas Isdepski betreut wurde. Zudem eine relativ luxuriöse Situation, was die Kaderstärke angeht, so dass wir eine gute und feste Struktur erarbeiten konnten. Das war genau das, was mir Frank Scharschmidt im Vorfeld versprochen hat.“

Der Team-Manager war bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Trainer Tobias Mateina auf den jungen Dortmunder aufmerksam geworden, der seine Spielerlaufbahn beim TSV Schalksmühle nach zwei Hüftoperationen früh beenden musste und schon zu aktiven Zeiten erste Trainererfahrung gesammelt hatte. Feldmann geht seine Sache ehrgeizig an – von einem Karriereschritt als Trainer durch seinen Wechsel zum ASV will er dennoch nicht sprechen. „Ich hatte mir vor allem mit der Mannschaft viel vorgenommen“, sagt er. „Mich selbst zu etablieren, war nicht mein Ansatz. Mir macht das einfach sehr viel Spaß. Sonst würde ich das nicht machen.“ Dass die Saison eine gute werden könnte, war ihm schnell klar. „Ich war recht selbstbewusst, das lag daran, wie sich die Vorbereitung entwickelt hat“, erklärt er. Dass sich das ausgegebene Saisonziel schnell als Understatement entpuppte, ist für Feldmann eher ein angenehmer Effekt.

„In der Formulierung nach Außen tut ein bisschen Demut ganz gut, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man sich überschätzt, und auf der anderen Seite, um sich nicht mehr Druck zu machen als nötig.“ Dass sich das neu formierte Team schnell gefunden und mit Julian Krieg einen routinierten Leitwolf an die Hand bekommen hat, war für den Coach ein „Glücksfall für eine Mannschaft mit so einer Altersstruktur. Wir sind mit einem Schnitt von 22,4 Jahren in die Saison gegangen, so wie es für eine Perspektivmannschaft sein sollte. Dann aber jemanden zu haben, der den Jungs die Mentalität vorlebt, die du brauchst, wenn du ein bisschen höher hinaus willst, das ist Gold wert.“ So wie über Krieg könnte Feldmann „über jeden aus dem Team fünf Minuten reden“. Jan Pretzewofsky etwa, der „im rechten Rückraum einen großen Schritt gemacht hat“ und künftig mehr in die erste Mannschaft integriert wird. Oder Michel Sorg, der „eine super Saison gespielt hat und einer der besseren Oberliga-Mittelleute ist“. Aber auch Max Zyska der „nach einer drögen Anfangsphase, in der er nicht viel zum Zug kam, in Absprache mit mir zum Hybrid aus Kreisläufer und Linksaußen geworden ist, was er sehr gut gelöst hat“. Feldmann sieht sich nicht als Trainer, der einem Team eine Schablone überstülpen will, damit es seiner Spielphilosophie gerecht wird. „Ich bin kein Handball-Ideologe, glaube nicht, dass es nur einen Weg gibt, dieses Spiel zu spielen“, sagt er. „Das Interessante ist, einen kreativen, innovativen Weg zu finden mit den Spielern, die man hat. Dann bin ich allerdings gerne radikal darin, ihn zu gehen.“

So wurde aus dem ASV II das mit 806 Toren deutlich angriffsstärkste Team der Liga. Meister Nordhemmern gelangen gerade einmal 747. „Wir haben das konsequenteste und schnellste Tempospiel der Liga aufgezogen“, sagt Feldmann, der auch ein Befürworter des Sieben-gegen-Sechs-Spiels ist. „Und wir waren eine der taktisch mutigsten Mannschaften, wenn es darum ging, das Tor leer zu machen und immer aufzufüllen. Davon sind wir auch nach zwei schlechten Spielen nicht abgewichen.“ Davon, ein Spielsystem in den Leistungsteams von der ersten Mannschaft bis zur BJugend durchgängig zu praktizieren, hält der 32-Jährige nicht viel. „Ich weiß nicht, ob es passen würde, das Zweitliga-Konzept auf eine Oberligamannschaft anzuwenden, glaube aber nicht, dass wir so weit auseinander liegen“, sagt er. „Wichtig ist, dass die Spieler in den konzeptionellen Basics so sicher sind, dass sie in dem gefestigten System des Zweitligateams bestehen können.“ Darüber zu spekulieren, welche Akteure seines Kaders den Sprung nach oben in das Zweitligateam schaffen könnten, ist für Feldmann „Kaffeesatzleserei. Das hängt von vielen Faktoren ab – aber die Frage hätte ich nach dem nächsten Jahr gerne noch einmal gestellt.“

Der Kader steht. Nach Rechtsaußen Lars Gudat aus der ersten Mannschaft und Fabio Runkel von seinem ExVerein OSC Dortmund wird der Spanier Alex Rubino Fernandez, 19-jähriger Linksaußen aus der A-Jugend-Bundesliga von Tusem Essen, den Kader komplettieren. Mehr Neue wird es nicht geben. „Wir werden erweitern, was wir uns in der abgelaufenen Saison erarbeitet haben. Da war es wichtig, dass wir ein System, ein solides 6:0, richtig spielen“, sagt er Coach. „Jetzt ist es wichtig, ein zweites zu etablieren. Ein weiterer Schwerpunkt wird das Sieben gegen Sechs sein. Da ist sich die Handballwelt noch nicht einig, wie man das präsentiert.“ Dass die Ziele in der neuen Saison durchaus höher gesteckt werden dürfen, ist für Feldmann kein Problem. „Wir waren als letzte Mannschaft am Meister dran, daher muss man über die Ausrichtung sprechen“, betont er. „Es ist aber nicht so, dass der Aufstieg als absolutes Muss gesehen wird. Spieler zu entwickeln beißt sich mit einer Ergebnisorientierung. Wichtig ist nur, dass die Jungs wissen, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, eine Liga höher zu spielen, wenn sie es schaffen. Und das ist hier der Fall.“ Jetzt steht erst einmal Urlaub an. Für die Mannschaft und für den Trainer, der gerade nebenher ein LehramtsStudium in den Fächern Deutsch und Physik abgeschlossen hat. „Ich werde mich mit meiner Freundin in unseren Bulli setzen und durch Italien fahren“, sagt Feldmann. Ohne Ball, versteht sich. Der kommt erst wieder Mitte Juni ins Spiel. Wenn die Saisonvorbereitung beginnt.

Oberliga

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