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Friedhelm Degen (Leiter Handball Hamm), Frank Scharschmidt (Manager), Michael Heinlein (stellvertretender Leiter Handball Hamm)

Die letzten Schritte sind vollzogen, sämtliche Formalitäten geklärt. Und so wird zur neuen Saison aus derzeit zwei Vereinen eine Spielgemeinschaft. „Handball Hamm“ heißt die Verbindung, die die beiden Nachbarn ASV und die sich mit Ende der laufenden Spielzeit auflösende HSE ab der kommenden Saison bilden. „Das ist ein Mammutprojekt“, sagt Manager Frank Scharschmidt nicht ohne einen gewissen Stolz. Denn in der Tat haben die Verantwortlichen der beiden Trägervereine in den vergangenen Monaten nahezu geräuschlos die Vorarbeiten für einen Klub geschaffen,

in dem deutlich mehr als 400 Handballer in – nach derzeitigem Stand der Dinge – sieben Männer-, vier Frauen- und 17 Jugendmannschaften spielen werden. Autark, aber dennoch ganz eng mit dem neuen Konstrukt verzahnt ist das Zweitliga-Team des ASV Hamm-Westfalen. Dass gerade der Nachwuchsbereich zahlenmäßig so stark ist, kommt nicht von ungefähr. Ihm gilt das Hauptaugenmerk, er war der Auslöser für die Schaffung der Spielgemeinschaft, über deren Bildung erstmals 2007 konkret nachgedacht worden war. Zwar scheiterte das Projekt damals an formalrechtlichen Kriterien, doch es gab einen Faden, „den wir nun wieder aufnehmen konnten“, sagt Friedhelm Degen, ASV-Vorsitzender und künftig Leiter der Spielgemeinschaft. Zumal sich die Erkenntnis verfestigt hatte, dass „wir nicht so weiter vor uns hinwurschteln konnten“, sagt Scharschmidt. Das abnehmende ehrenamtliche Engagement, vor allem aber der demographische Wandel verbunden mit einem veränderten Alltag der Jugendlichen stellten auch die Handballklubs vor Herausforderungen. Handball Hamm und damit die Bündelung der Kräfte – finanziell wie personell – lautete die Antwort (WA berichtete). Mit dem klar gesteckten Ziel einer qualitativ möglichst guten und nachhaltigen Förderung der jugendlichen Handballer.

"Wir erhoffen uns eine Sogwirkung, wollen interessant sein für leistungswillige Jugendliche“, erklärt Michael Heinlein, HSE-Chef und Stellvertreter Degens. Sie sollen vor allem gebunden werden. Wobei die beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten in Hamm dem Verein mittlerweile entgegenkommen. Vor allem aber sollen die Spieler nach dem Übergang in den Seniorenbereich ein ihrem persönlichen Willen beziehungsweise ihrem Leistungsvermögen entsprechendes – explizit auch breitensportliches – Angebot vorfinden, um sich im Idealfall „eventuell bis in die Bundesligamannschaft hochzuarbeiten“, so Heinlein. Und vielleicht, fügt Scharschmidt hinzu, bietet der Fokus auf den Nachwuchsbereich auch die Möglichkeit, „dass wir mal das Jugendzertifikat oder ein Jugendleistungszentrum nach Hamm bekommen. Man muss solche Ziele und Visionen haben.“ Kurzum: Das Aushängeschild Zweitliga- Mannschaft soll einen funktionierenden Unterbau erhalten. Um eine hohe Durchlässigkeit zu gewährleisten, werden vor allem Trainingsinhalte in Absprache mit dem Profibereich gestaltet und vereinheitlicht, sie werden der „rote Faden“ (Degen), der AltersklassenÜbergänge vereinfachen soll. Ein Aspekt, der zeigt, wie weit die Arbeiten in einem Jahr vorangeschritten sind. Ein Logo gibt es, eine Internet- Seite (www.handballhamm. de), die in den nächsten Tagen an den Start geht, auch. „Mit Bedacht und Weitsicht“, sagt Scharschmidt, seien alle Tätigkeiten während der gesamten Zeit durchgeführt worden, immer mit dem Ziel, die Mitglieder auf dem Weg „mitzunehmen“. Entsprechend groß waren die Bemühungen um Transparenz, um die Mitsprache möglichst vieler auf dem Weg zur Kooperation. Und entsprechend gering waren die Widerstände auf beiden Seiten, „Ab- und Zugänge bei den Mitgliedern bewegten sich im normalen Rahmen“, betonen Degen und Heinlein unisono. Letzterer hatte mit der HSE die höhere formale Hürde zu nehmen, der Vorsitzende und die Mitglieder mussten die Spielgemeinschaft aus Hammer SpVg, ESV und TuS 59 erst einmal auflösen und sich dem TuS 59 als Trägerverein anschließen, um den nächsten Schritt gehen zu können. Was in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung geschah. So wurden am 17. März die Verträge mit dem ASV unterzeichnet. „Wir haben viel Arbeit hinter, aber auch noch viel vor uns“, sagt Degen. „Doch die Saat ist gesät.“

Die Vorboten für Handball Hamm – neben dem SCE Heessen und dem Hammer SC letzter verbliebener Handball- Standort in der Lippestadt – gibt es schon. Bereits jetzt nehmen die Jugendteams an den diversen Pokalund Qualifikationsrunden teil – noch, aus formellen Gründen, unter den alten Namen, die erreichten Platzierungen übernimmt aber die neue Spielgemeinschaft. Eine gemeinsame Weihnachtsfeier und eine „Come-Together- Party“ unterstrichen bereits die Bemühungen, das Projekt auch abseits des Sports mit Leben zu füllen. Überhaupt versucht die Führungscrew, das gesamte Umfeld der Spielgemeinschaft für die Herausforderungen des Projekts zu sensibilisieren, eine „Vereinskultur“ (Scharschmidt) zu schaffen. „Es ist ein enorm großes Schiff, das wir im Interesse unserer Sportler bewegen“, sagt Scharschmidt mit Blick auf den finanziell wie organisatorisch großen Aufwand. „Zum Vereinsleben gehört nicht nur das Zahlen des Mitgliedsbeitrages, sondern auch das Sich-Einbringen“, betont er. Und dass manch einer kleine Probleme bei der Findung eines passenden Anfeuerungsrufs erkennt, nimmt der Manager eher schmunzelnd zur Kenntnis: „Der ergibt sich schon. Hauptsache, wir haben viele Fans.“ Das Aushängeschild von Handball Hamm, dessen Spielstätten die Stein-Halle als Schwerpunkt sowie die Friedensschule sein werden, ist – sollte der HSE der Aufstieg gelingen – bei den Männern das Oberliga-Team, das sich fest in der vierthöchsten Spielklasse etablieren soll. Gerade hier fallen viele Entscheidungen in enger Absprache mit dem Trainer-Manager des ASV Hamm-Westfalen, Kay Rothenpieler. Auch wenn der ASV II den Klassenerhalt schafft, wird es aber kein Verbandsliga- Team geben. Stattdessen geht es ab der Landesliga gestaffelt weiter. „Man verlässt nicht gerne freiwillig eine Klasse. Aber qualitativ wären eine Oberliga- und eine Verbandsligamannschaft nicht machbar“, erklärt Degen. Bei den Frauen ist die Einteilung (im Falle des Oberliga-Verbleibs der HSE) ähnlich vorgesehen. Letztlich, so Scharschmidt, soll das Projekt und vor allem der Namen „ein Zeichen für die Stadt setzen. Und wir möchten ein Vorreiter sein, anderen Vereinen Mut machen, über ihre Stadtteilgrenzen hinauszuschauen.“