An Dramatik kaum zu überbieten war das Topspiel der 3. Liga Nord-West am Samstagabend. Am Ende sicherte Jan Gautzsch dem ASV Hamm-Westfalen mit dem letzten Wurf aus zwölf Metern gegen Verfolger TuS Vinnhorst vor 2.500 Zuschauern in der ausverkauften WESTPRESS arena einen Punktgewinn, der noch von größter Bedeutung für die Westfalen sein kann.
Denn durch das 29:29 (17:16) reicht dem ASV nun ein weiterer Punktgewinn in den beiden verbleibenden Spielen zuhause gegen Emsdetten beziehungsweise beim TBV Lemgo Lippe II, um in die Aufstiegsrunde zur 2. HBL einzuziehen. Wäre es am 28:29 geblieben, hätte Vinnhorst nicht nur auf einen Zähler zum ASV aufgeschlossen, sondern hätte auch in einem möglichen direkten Vergleich durch mehr geworfene Tore in den beiden direkten Dullen die Nase vorne gehabt.
Vorangegangen waren die 60 erwartet intensiven Minuten in einem Duell, das durchaus auf Zweitliganiveau stattfand. Die Gastgeber starteten sehr stark, agierten mit sehr viel Tempo und fanden auch in der Abwehr gute Lösungen. Vor allem dem glänzend aufgelegten Gästetorwart Glenn-Louis Eggert verdankten es die Gäste, dass die Führung der Westfalen nicht über das 9:5 aus der 12. Spielminute anwuchs.
„In der ersten Halbzeit hätten wir die Führung deutlich höherschrauben müssen, vielleicht sogar auf sieben Tore“, befand ASV-Trainer Jamal Naji nach dem Spiel in der Pressekonferenz mit Blick auf die stärkste Phase des Tabellenzweiten. Man habe seine Chancen da nicht genutzt und Vinnhorst hätte es im Anschluss gut gemacht, so der Coach weiter. Dabei gab es für die Gäste schon in der 17. Spielminute einen herben Rückschlag zu verkraften: Innenblocker und Kreisläufer Dominik Kalafut griff in den Wurfarm des vorbeigezogenen Benedikt Kühn und sah direkt die Rote Karte.

Vinnhorst steckte Rückschläge gut weg
Doch die steckte der Tabellendritte bemerkenswert gut weg. Die folgende Unterzahl endete 2:2, ein Bruch im Spiel des TuS war nicht auszumachen. Im Gegenteil – Vinnhorst blieb dran, Mathieu Fenyö und Leonard Zink glichen innerhalb einer halben Minute auf 15:15 aus (26.), in Unterzahl nach Zeitstrafe gegen Yannick Müßner gingen die Gäste dann sogar erstmalig nach dem 1:0 wieder mit 16:15 in Führung. Aber auch der ASV blieb kämpferisch und stellte zur Pause durch Benedikt Kühn und Fabian Huesmann wieder eine knappe 17:16-Führung her.
Ausgeglichen sollte es auch in der zweiten Halbzeit weitergehen. Allerdings stellte sich die Gästeabwehr nun besser auf die Offensivbemühungen des ASV ein, Torwart Eggert parierte immer wieder auch freie Würfe. So ging der TuS in der 43. Minute durch Toptorschütze Lungela mit 22:20 in Führung, der auch als vorgezogener Abwehrspieler empfindlich die Wege der Rückraumspieler des Gegners störte. Und das gelang den Gästen, obwohl auch Zink in der 33. Minute von der Tribüne zuschauen musste, nachdem er für einen Gesichtstreffer bei Kühn ebenfalls glatt Rot gesehen hatte.
In der 51. Minute erhöhte Fenyö in Überzahl sogar auf 26:23. Längst war die Atmosphäre auf dem Spielfeld und auch an den Bänken sichtbar aufgeheizt. Beide Trainer hatten Schwierigkeiten damit, eine Linie der Unparteiischen zu erkennen und sich darauf einzustellen, wie Naji und auch Lars Lehnhoff unisono in der Pressekonferenz bekannten. So gab es beiderseits Szenen, die auf dem Niveau der vorherigen Entscheidungen auch zu Roten Karten hätten führen können.
Unabhängig davon ging der TuS mit Vorteilen in die Schlussphase der Partie. Jetzt war es beim ASV der eingewechselte Ivan Budalic, der zu Hochform im Tor auflief und beim Stand von 23:26 einen Vier-Tore-Rückstand verhinderte. So gelang es dem aufopferungsvoll kämpfenden ASV immer wieder zu verkürzen, der TuS legte aber ein ums andere Mal auf zwei Tore vor. Zuletzt gelang das Fenyö in der 57. Minute mit seinem Tor zum 29:27.
Doch Budalic parierte erneut, dem ASV boten sich wieder Chancen. Nach Durchbruch vom mutigen Niklas Mühlhauser, der von Naji den Vorzug im rechten Rückraum für die wurfgewaltigen Spieler erhielt, foulte die TuS-Abwehr. Fabian Huesmann traf (58.) per Siebenmeter zum 28:29. Gut eineinhalb Minuten später durfte der Kapitän zum fünften Mal an diesem Abend zum Siebenmeterpunkt – doch scheiterte am eingewechselten Nikolay Petrov.
Aber es war noch zu viel Zeit auf der Spieluhr für den TuS, um die 29:28-Führung bis zum Ende zu verwalten. So landete der letzte Gästewurf im Block des ASV und war leichte Beute für Budalic. Nach einer Auszeit kam es zum letzten Wurf, der von Mait Patrail bestmöglich vereitelt wurde, dann aber aus rund zwölf Meter im Fallen mit Gegnerkontrakt von Gautzsch ins lange Eck als Aufsetzer am starken Eggert vorbei ins Tor trudelte. Sekunden später war Gautzsch unter einer Jubeltraube verschwunden – ein verloren geglaubtes Spiel fand aus Sicht des ASV doch noch ein gutes Ende. „Das ist das glücklichste Ende, das ich in meiner Zeit beim ASV erlebt habe“, meinte Kapitän Huesmann direkt nach der Partie. Und ein Ende, dass noch für großes Glück am Ende der Saison sorgen könnte.
„Einen Riesendank möchte ich heute im Namen der ganzen Mannschaft dem Publikum aussprechen. Wie wir heute auch in schwierigen Phasen des Spiels getragen wurde, das war herausragend“, betonte Trainer Jamal Naji, der seit seinem Einstieg beim ASV zum ersten Mal eine ausverkaufte Arena als Heimtrainer erlebte.
Schon in einer Woche dürfte sich dieses Erlebnis wiederholen, wenn dann Spitzenreiter TV Emsdetten zum Duell beim ASV antreten wird. Anwurf ist um 19 Uhr. „Viele Karten gibt es nicht mehr, wer da noch dabei sein will, muss schnell sein“, betonte ASV-Geschäftsführer Markus Fuchs.
Impressionen vom Spiel
ASV Hamm-Westfalen – TuS Vinnhorst 29:29 (17:16)
ASV: Colodeti, Budalic – Huesmann (8, 4/5 7m), Gabrielsson (1), Brosch, van de Vreede, Böttcher (2), Machner, Kühn (4), Mühlhauser, Gautzsch, Firnhaber (1), Bornemann (2), Krawczyk (4), Jacobs, Coßmann (3)
TuS: Eggert, Petrov – Johannsen, Petkov (1) Tomashevskyi, Lungela (12, 5/5 7m), Gertges (3), Nielsen (2), Zink (2), Müßner, Hinz, Fenyö (6), Kalafut (2), Rohrweber (1, 0/1 7m)
Schiedsrichter: Ernst/Sippel
Strafen: ASV 4 min, TuS 6 min (Rote Karten Kalafut 17., Zink 32.)
Zuschauer: 2.500 (ausverkauft)
Weitere Informationen
Kader TuS Vinnhorst (Website TuS)
Vorbericht TuS (Website TuS)
Spielplan ASV Hamm-Westfalen (handball.net)
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