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Veröffentlicht am 10.06.2026 von Simon Kottmann

Westfälischer Zusammenhalt und Wahnsinnsmentalität

Es war hochspannend bis zum letzten Spiel, dann hat sich der ASV Hamm-Westfalen den Traum vom direkten Wiederaufstieg erfüllt und auch unter schwierigsten Voraussetzungen die Rückkehr in die 2. Handball-Bundesliga gesichert. Im Interview blickt ASV-Geschäftsführer Markus Fuchs, der in der Aufstiegsrunde überraschend sogar noch einmal selbst das Trikot überstreifte, auf ein bewegendes Jahr und ein Happy End zurück.

Ist knapp eine Woche nach dem Aufstieg beim Geschäftsführer schon wieder der Alltag eingekehrt?

Markus Fuchs: „Alltag würde ich es noch nicht nennen. Ein wenig Normalität hat sicherlich schon Einzug gehalten. Aber die Eindrücke aus den letzten Wochen sind noch sehr präsent und der Stolz darauf, gemeinsam mit allen Beteiligten etwas ganz Besonderes geschafft zu haben. Und wenn ich an die Momente am Mannschaftsbus in der Nacht nach dem Spiel denke oder den Empfang auf der riesigen Bühne in der Stadt am Donnerstag, bekomme ich direkt wieder eine Gänsehaut. Ab Sommer heißt es für die 2. Bundesliga wieder: Komm‘se mal nach Hamm!“

Und es gab bestimmt noch mehre besondere Momente?

Markus Fuchs: „Auf jeden Fall. Jeder dürfte wissen, unter welchen besonderen Voraussetzungen wir überhaupt in diese Saison gegangen sind. Als Absteiger mit 29 Punkten, es hätte am letzten Spieltag genauso gut vier andere Teams treffen können. In diesem Jahr reichten 19 Zähler zum Klassenerhalt, das sagt schon einiges. Und durch das Wiederholungsspiel Essen gegen Dessau sind wir mit sehr spät verpflichteten Spielern, die zum Teil erst in der Vorbereitung zu uns stießen, in die Saison gegangen. Aber die junge Mannschaft hat sich unglaublich gut entwickelt, ist herausragend mit Rückschlägen umgegangen. Am Ende waren wir die offensivstärkste Mannschaft der 3. Liga. Und in der Aufstiegsrunde hat die Mannschaft nach dem Fehlstart in Saarlouis eine Wahnsinns-Mentalität bewiesen. Und genau das alles gilt gleichermaßen für unsere Fans, die uns unfassbar unterstützt haben – egal ob in eigener oder fremder Halle. Und in der Aufstiegsrunde haben wirklich alle Beteiligten noch einmal einen obendrauf gesetzt.“

„Eine Aufstiegsrunde, in der es noch etwas ganz Besonderes gab: das Comeback von Abwehrspieler Markus Fuchs.“

Markus Fuchs (lacht): „Ja, das war wirklich besonders und so natürlich erstmal gar nicht geplant. Aber durch die Verletzung von Jan Brosch war es im Training nötig, aufzustocken. Und da habe ich mich dann offenbar gar nicht so schlecht angestellt. Aber keine Sorge, dass wird nächste Saison nicht mehr nötig sein.“

Das Umfeld stand vom ersten Tag an hinter der „Mission Wiederaufstieg“, sowohl die Fans als auch die Sponsoren und Partner des ASV. Auch eine Besonderheit?

Markus Fuchs: „Absolut – und das muss man wirklich noch einmal betonen. Der Standort Hamm und die Region Westfalen haben eindrucksvoll bewiesen, was möglich ist, wenn man auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. An diesem direkten Wiederaufstieg waren so viele beteiligt, die einen unverzichtbaren Beitrag geleistet haben. Alle aufzuzählen, würde das Interview definitiv sprengen.“

Macht das Mut für die neue Spielzeit?

Markus Fuchs: „Das macht Mut in jeder Hinsicht. Und es ist auch der Lohn für jahrzehntelange gute Arbeit an diesem Handballstandort. Die Freude über die Rückkehr in die 2. Liga ist riesengroß bei allen Beteiligten – das merkt man schon jetzt, auch wenn die Saison erst in der zweiten Augusthälfte mit dem Pokal starten wird. Wir stehen aktuell beispielsweise bei rund 850 Dauerkartenbuchungen und -reservierungen. Das hat es im Juni noch nie gegeben. Aber es wird auch eine hochspannende Saison werden – mit zwei starken Aufsteigern, die definitiv in der 2. Liga bleiben wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es wieder mehr als 20 Punkte brauchen wird, um in der Klasse zu bleiben.“

Der Kader zur neuen Saison steht schon weitgehend. Was ist in personeller Hinsicht noch geplant?

Markus Fuchs: „Tatsächlich sind wir hier auch schon extrem weit. Wenn es so läuft, wie wir uns das vorstellen, werden wir am 13. Juli mit nur drei Neuzugängen in die Saison 2026/27 starten. Trainer Jamal Naji wird also mit einem sehr eingespielten Kader ins Rennen gehen können. Das war ehrlicherweise häufiger beim ASV so nicht der Fall. Und es ist eine gute Voraussetzung dafür, dass sich unser Kader und jeder Einzelne erfolgreich weiterentwickeln wird.“

Wie geht es nun in den nächsten Wochen weiter?

Markus Fuchs: „In der Geschäftsstelle sind das gerade die arbeitsreichsten Wochen. Für mich selbst stehen auch viele Termine bei Partnern und Sponsoren auf dem Programm. Irgendwann wird dann auch Zeit für einen Urlaub sein – das muss nach so einer langen Zeit natürlich auch sein. Um Kraft zu tanken mit der Familie, die ja auch einiges an Belastung während so einer besonderen Saison mitträgt. Die Mannschaft startet dann am 13. Juli in die Vorbereitung. Unser Trainer ist da gerade dabei, der Zeit den Feinschliff zugeben. Mit den Spielterminen der Vorbereitung werden wir kommende Wochen an die Öffentlichkeit gehen.“

Vielen Dank für das Gespräch.